Wer hat Lippenstift erfunden

Lippenstift

Rizinusöl, Hirschtalg und Bienenwachs waren die Inhaltsstoffe des ersten Lippenstifts. Danach wurde er mehrfach neu erfunden. Heute ist er das beliebteste Beauty-Utensil. In 125 Jahren wurde er zum beliebtesten Beauty-Utensil von Frauen. Die Geschichte des Lippenstifts.

Natürlich gibt es den Lippenstift schon länger. Bei Ausgrabungen im heutigen Irak entdeckte man lippenstiftähnliche Salben, die angeblich aus dem Jahr 3500 v. Chr. stammen. Doch bis der Lippenstift zum beliebtesten Accessoire vieler Frauen wurde, hatte er eine lange Reise vor sich. Erst 1883, auf der Weltausstellung in Amsterdam, stellten Pariser Parfumeure den ersten Lippenstift der Neuzeit vor. Seine Inhaltsstoffe waren relativ simpel: Rizinusöl, Hirschtalg und Bienenwachs. Eingewickelt in Seidenpapier sah er aus wie ein Würstchen. Anfangs gab es nur rote Lippenstifte, doch bald wurden auch ausgefallenere Farben angeboten: Neben Schwarz war vor allem Vitriolgrün der Renner, besonders junge Pariser Künstlerinnen hatten eine Schwäche für diese Farbe. Das verwendete Vitriol enthielt aber schwefelartige Substanzen und war somit giftig. Einige Frauen mussten die Verwendung des Lippenstifts mit ihrem Leben bezahlen, deshalb wurde er verboten.

Billiger und besser

Dem „Zauberstab des Eros“, wie die französische Schauspielerin Sarah Bernard den Lippenstift nannte, tat dies keinen Abbruch – er wurde weiterentwickelt und immer öfter nicht nur von verruchten Damen aufgetragen. 1912 bekam er ein neues Outfit. Das Seidenpapier wurde durch Metallhülsen ersetzt. Dadurch wurde der Lippenstift wesentlich billiger.

Nach Schwarz kam Rot

In den ersten Stummfilmen wurde er eingesetzt, um Darstellerinnen einen schwarzen „Bienenstich-Mund“ zu schminken. Ein Mode-Trend war geboren! Von nun an trug Frau einen schwarz geschminkten Mund. Einziges Problem war, dass der Lippenstift nicht besonders lange hielt. Vor allem nach dem Küssen blieb davon nichts mehr übrig. Ein 1928 in Frankreich auf den Markt gebrachter Lippenstift sollte Abhilfe schaffen. Sein Rot wurde aus Steinkohle und Teer gewonnen und versprach, kussecht zu sein. Erst später stellte man fest, dass diese Inhaltsstoffe nicht besonders gesund waren und verbot ihn wieder.

In den 1930er Jahren konnte man vor allem in den USA mit Kosmetik viel Geld verdienen. Deshalb entwickelten zahlreiche Firmen immer neue Lippenstift-Farben, die rasenden Absatz fanden. Neben Rot und Schwarz gab es z. B. „Shiap“, ein helles Pink und „Shockinig“, einen knalligen Fuchsiaton. Der Lippenstift wurde unentbehrliches Beauty-Accessoire und durfte in keiner Damenhandtasche fehlen. Selbst in den Kriegsjahren, in denen man Eisen lieber für Patronenhülsen statt für Lippenstifthüllen verwendet hätte, wurde die Produktion fortgeführt. Lieblingsfarbe war zu dieser Zeit ein dunkles, sinnliches Lila.

Auch Deutschland schminkt sich

Nach dem Krieg wurde der Lippenstift auch in Deutschland immer beliebter. 1848 gab es in den USA die ersten Lippenstifte mit der bis heute bekannten Dreh-Mechanik und in London verkaufte man den ersten Lippenkonturenstift. Doch die Inhaltsstoffe dieser Produkte waren nicht immer unbedenklich. Deshalb gab es 1950 einen Lippenstift, der mit Lanolin, einem Wachs aus Schafswolle, hergestellt war. In den 1950er Jahren entstanden zahlreiche deutsche Kosmetikfirmen, die immer neue Farben und Formen erfanden.

Das beliebteste Beauty-Utensil

Heute enthalten die meisten Lippenstifte Öle und Wachse, die aus Erdöl gewonnen werden. Deshalb wurde 1991 auch der erste Bio-Lippenstift auf den Markt gebracht. Er ist umweltfreundlich verpackt, enthält Bienenwachs, Rizinus- und Jojoba-Öle und verspricht, auch sonst nur aus natürlichen Inhaltsstoffen zu bestehen. Kussechtheit kann dabei nicht garantiert werden, denn die gibt’s nur unter Verwendung von viel Chemie. Ob kussecht, knallig, glossy, schrill oder ganz dezent – bis heute ist der Lippenstift nach wie vor das beliebteste Beauty-Utensil. 21% der Frauen benutzen es täglich, 78% der Frauen zumindest bei besonderen Gelegenheiten. Ach, übrigens: Frauen, die sich täglich die Lippen schminken, verzehren auf diese Weise jährlich einen ganzen Lippenstift. Guten Appetit!

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