Wer hat Kino erfunden

Kino

Die Geschichte des bewegten Bildes. Von der Camera Obscura hin zum Kinofilm. Wie die Bilder laufen lernten: Technische Errungenschaften auf dem Weg von der Fotografie zum farbigen Kinofilm

Technische Vorläufer

Die früheste Erfindung, die als Vorläufer der heutigen fotografischen Technik gilt, ist die Camera Obscura. Sie war eine einfache dunkle Kammer mit einem kleinen Loch an einer Wandseite, durch das Licht eindrang, das auf der gegenüberliegenden Seite ein seitenverkehrtes und auf dem Kopf stehendes Abbild schuf. Schon Aristoteles (384-322 v.Chr.) erkannte die Wirkung eines einfallenden Sonnenstrahls und da Vinci (1452- 1519) beschrieb in seinem „Codex Atlanticus“ die Funktionsweise einer Camera Obscura. Genutzt wurde sie hauptsächlich von Wissenschaftlern und Astronomen, aber auch von Schaustellern, die auf Jahrmärkten das Publikum beeindruckten.

Im 17. Jahrhundert beschrieb der deutsche Mathematiker, Philosoph und Jesuitenpater Athanasius Kircher, der als der Erfinder der Laterna Magica gilt, ihre Funktionsweise. Es ist ein Kasten, in dem sich eine Lichtquelle befindet, meistens eine Kerze, ein Objektiv mit zwei bikonvexen Linsen und einem dazwischen stehenden Bild auf einer Glasplatte. Die am Anfang recht einfachen Bilder wurden mit der Zeit immer komplexer und anspruchsvoller. Diese Projektionskunst wurde durch „Kleinunternehmer“, die durchs Land reisten und mit der Laterna Magica die Leute begeisterten, immer populärer, so dass das Streben nach neueren und verbesserten Techniken immer größer wurde.

Über 150 Jahre später entwickelten der Österreicher Simon Stampfer und der Belgier Joseph Plateau – unabhängig voneinander – das Lebensrad, das den Eindruck von bewegten Bildern erweckte. Das Lebensrad machte es möglich, einzelne Bilder zu einer zusammenhängenden Handlung zu vereinen. Mit der Erfindung der Serienfotografie wurde es möglich, nicht mehr nur gezeichnete Bilder für das Lebensrad zu verwenden sondern Fotografien, die einen lebendigeren Eindruck hinterließen.

Kinematograph – Kinetoskop – Cinématographe

Nach weiteren Errungenschaften in der Aufnahmetechnik gelang es 1892 Thomas A. Edison, eine Aufnahmekamera – den Kinematographen (griech. kinematos = Bewegung und griech. graphein = schreiben) – zu erfinden, die 1 ½ Inch breite Zelluloidfilme verwendete, die dem heutigen 35-mm-Format annähernd entsprachen. Darüber hinaus entwickelte er das Kinetoskop – eine Guckkastenmaschine – die für die Einzelbetrachtung vorgesehen war.

Nach diesem Vorbild bauten die Brüder Lumière ein verbessertes Modell zur Projektion von Serienfotografien und führten es am 28. Dezember 1895 im Grand Café am Boulevard des Capucines in Paris vor einem erstmals zahlendem Publikum vor. Im gleichen Jahr und einen Monat früher präsentierten auch die Brüder Skladanowsky ihr Bioscop im Varieté Wintergarten im Berliner Central-Hotel, die als die erste kommerziell genutzte Filmvorführung galt. Allerdings konnte sich das Bisocop der Gebrüder Skladanowsky nicht gegen den technisch überlegenen Cinématographen der Lumières-Brüder durchsetzen und so stiegen die Skladanowskys nach zwei Jahren aus dem „Filmgeschäft“ aus.

Weitere Apparate wurden im Laufe des frühen 20. Jahrhunderts entwickelt, die die Aufnahme- und Projektionsqualität deutlich verbesserten und so den Weg für die Filmkunstschaffenden ebneten.

Buntes Treiben – Farbe im Film

Farbe im Film gibt es keineswegs erst seit der Erfindung von Farbkameras. Auch wenn es technisch im 19. Jahrhundert noch nicht möglich war, die Filme in Farbe aufzunehmen, so verzichtete man nicht darauf, die Aufnahmen in Farbe zeigen zu können. Buntbemalte Glasplatten, wie bei der Laterna Magica oder retuschierte Farbfotos waren bei der Zurschaustellung immer vertreten. Mitte der 1890er Jahre begann man auch mit dem Kolorieren der Filmszenen, anfangs nur per Hand, was sehr aufwendig war, ging man später dazu über die von Charles Pathé entwickelte Schablonenkolorierung anzuwenden. Da dieses Verfahren immer noch sehr kostenaufwendig war, rentierte es sich erst ab einer Kopiermenge von 200 Exemplaren.

1905 wurde das Viragier-Verfahren entwickelt, bei dem der Film Szenenweise eingefärbt wurde. Die Filmstreifen wurden in einem Kupferbad sepiabraun viragiert und anschließend in gelb getaucht. Das Silber im Bild wird braun und die Lichter gelb. Die folgenden Aufnahmen wurden danach direkt auf viragiertes Filmmaterial gebracht. Dabei entstanden bestimmte Konventionen: Nachtszenen wurden in Blau, Naturaufnahmen in Grün, Innenräume in Gelb und Liebeszenen in Rot wiedergegeben. Nach weiteren Entwicklungen gelang es Technicolor, das Drei-Streifen-Verfahren zu schaffen, das mit drei Negativ-Streifen – jeweils in einer Grundfarbe – aufzeichnet und in einer Art Farbdruckverfahren übereinander kopiert wurde. Wegen der vielen Spezialkameras war dieses Verfahren immer noch sehr kostspielig und erst Kodak vereinfachte mit dem Eastman-Color-Verfahren den Farbfilm. Hierbei liegen drei Farbschichten auf einem Negativstreifen, wodurch die Spezialkameras überflüssig wurden.

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