Wer erfand die Fußballregeln – wer hat Fußballregeln erfunden

Fußballregeln

Fußballregeln – gestern und heute. Fußball kennt heute jeder. Auch die Regeln. Doch wie haben die Regeln einmal ausgesehen – und was hat sich über die Zeit verändert? Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde das Fußballspiel in China vor gut 2.500 Jahren erfunden. Auch die Griechen und Römer der Antike kannten eine Art Fußballspiel, ebenso die Mayas und Azteken Mittelamerikas. Doch erst im England des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das, was man heute als Fußballspiel bezeichnet. Und folgerichtig wurden auch die Regeln in England festgelegt.

Erste Regelfassung: Cambridge 1848

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde an vielen Schulen in England ein Mannschaftsspiel betrieben, bei dem ein Ball mit dem Fuß gespielt wird. Die Studenten der Universität Cambridge legten erstmalig Regeln (elf Paragraphen) fest, die aber – aus heutiger Sicht – recht ungenau, teilweise sogar amüsant klingen. So bestand eine Mannschaft aus 15 bis 20 Spielern; das Tor wurde durch zwei Flaggenpfosten und einem dazwischen gespannten Seil definiert; um nicht abseits zu stehen, benötigte man mindestens drei gegnerische Spieler vor sich; das Stoppen den Balles mit der Hand bei sofortigem Weiterspielen war erlaubt.

Angaben zur Größe von Spielfeld oder Tor fehlten in den »Cambridge-Regeln« völlig, ebenso die heute üblichen besonderen Bereiche des Spielfeldes, wie Mittelkreis, Strafraum und Torraum. Während es den Anstoß und den Einwurf bereits gab, war der Freistoß unbekannt.

Die Regeln werden offiziell

Nach Gründung der »England Football Association (FA)« 1863 übernahm man die Cambridge-Regeln und überarbeitete sie. Das Spielfeld erhielt Maximalgrößen: 200 Yards lang (etwa 180 m), 100 Yards breit (etwa 90 m). Der Anstoß wurde ausgelost, beim Anstoß hatte die gegnerische Mannschaft einen Mindestabstand von 10 Yards zu wahren. Man stand im Abseits, wenn man sich im Moment des Abspiels vor dem Ball befand (also unabhängig von der Anzahl der gegnerischen Spieler). Der Freistoß wurde eingeführt. Geht der Ball ins Tor-Aus, erhielt jene Mannschaft einen Freistoß, die den Ball danach als erste berührte. Das Fangen bzw. Stoppen des Balles mit der Hand war weiterhin erlaubt.

Schon kurze Zeit später wurden die ersten Änderungen vorgenommen. Die Abseitsregel wurde auf die Original Cambridge-Regel zurück geändert. Außerdem wurde explizit festgelegt, dass die Hosen der Spieler über die Knie reichen mussten und Mützen mit Quasten zu versehen waren. Die Höhe des Tores wird auf 8 Fuß (= 2,44 m) definiert.

Football oder Rugby?

Als 1870/71 die Spielerzahl je Mannschaft auf elf begrenzt und das Stoppen des Balles mit der Hand abgeschafft wurde (nur der Torwart durfte den Ball mit der Hand berühren, und das in der gesamten eigenen Spielhälfte), trat eine Reihe von Vereinen aus der FA aus und gründete die »Rugby Football Union«. Ab jetzt entwickelten sich Fußball und Rugby getrennt.

1872 wurde der Eckball eingeführt sowie verbindliche Maße für den Ball. Im gleichen Jahr kam es zum ersten Länderspiel der Geschichte (Schottland – England in Glasgow, Endstand 0:0).

1874 wurde der 23. Mann auf dem Feld, der Schiedsrichter, zur Pflicht. Drei Jahre später bekam der Schiedsrichter das Recht, Spieler des Feldes zu verweisen – und erst im Jahr darauf die Schiedsrichterpfeife.

In den nächsten Jahren kamen Schritt um Schritt jene Dinge in den Regeln hinzu, die wir heute kennen: 1875 Halbzeitpause und Seitenwechsel, 1882 der Einwurf mit beiden Händen; 1889 die Linienrichter; 1890 die Tornetze; 1891 der Strafstoß.

Deutsche Sonderregeln

Die erste Übersetzung der FA-Regeln erfolgte bereits 1875. Die »Jenaer Fußballregeln« von 1896 legten fest, dass sich auf dem Spielfeld keine Bäume oder Sträucher befinden durften. Außerdem wurde aus dem Strafraum in Form eines Halbkreises ein Viereck. Der »deutsche Strafraum« wurde 1902 in die internationalen Regeln übernommen – zusammen mit der Einführung des Elfmeterpunktes. Ferner durfte der Torwart ab sofort den Ball nur noch innerhalb dieses Strafraumes mit der Hand berühren.

Die Fifa und die schmollenden Briten

Am 21. Mai 1904 kam es zur Gründung des internationalen Fußballverbandes Fifa in Paris durch den Niederländer Hirschmann und den Franzosen Guerin. Gründungsmitglieder waren die Fußballverbände der Schweiz, Dänemarks, Frankreichs, der Niederlande, Belgiens und Schwedens. Spanien, das ebenfalls Gründungsmitlgied der Fifa ist, wurde nicht durch den nationalen Verband vertreten, sondern durch den Verein »Madrid Football Club«, dem Vorgänger von Real Madrid. Deutschland trat noch am Gründungstag dem Weltfußballverband per Telegramm bei.

Die britischen Fußballverbände schmollten zunächst, da sie nicht an der Gründung beteiligt waren. England trat der Fifa 1905 bei, Schottland und Wales erst 1910, Irland (damals britisch) 1911.

Das IFAB (»International Football Association Board«), das seit 1882 unter alleiniger Führung der britischen Verbände die Regeln festlegte, wurde 1904 um vier Vertreter der Fifa erweitert.

1908 ist Fußball erstmals olympische Sportart.

Abseits, immer wieder Abseits

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte passte man immer wieder die Abseitsregel an. 1907 wird das Abseits in der eigenen Hälfte aufgehoben; 1920 gibt es beim Einwurf kein Abseits mehr; 1925 wird die Mindestzahl der gegnerischen Spieler zwischen dem Angreifer und der Grundlinie von drei auf zwei gesenkt; seit 1990 ist »gleiche Höhe« nicht mehr Abseits.

1965/66 wurde in der englischen Liga das Auswechseln von Spieler eingeführt. Zunächst durfte nur ein verletzter Spieler ausgetauscht werden, dann zwei Spieler generell. Seit 1995 dürfen drei Spieler ausgewechselt werden.

Da bei der WM 1966 der deutsche Schiedsrichter Kreitlein beim Spiel England – Argentinien einem argentinischen Spieler nicht deutlich machen konnte, dass er vom Platz gestellt ist (es dauerte geschlagene neun Minuten, bis der Argentinier begriffen hatte, dass er in die Kabine sollte), schlugen Kreitlein und sein englische Kollege Aston die Einführung von gelben und roten Karten nach dem »Ampelprinzip« vor. 1991 kam die gelb-rote Karte hinzu. Dieses Prinzip setzte sich auch in anderen Sportarten wie Handball durch.

Eingeführt und umgehend wieder verworfen

Manche Regeländerungen wurden eingeführt und verschwanden wieder nach ein paar Jahren, so das »Golden Goal« (1996 bis 2002; sofortiges Spielende bei Tor in der Verlängerung) oder das »Silver Goal« (2002 bis 2004; Spielende zur Halbzeit der Verlängerung, wenn eine Mannschaft getroffen hatte).

Oft verändert wurde das Halten des Balles durch den Torwart. So gab es die »Vier-Schritte-Regel«, dann diverse Zeitregeln und eine Begrenzung des Absetzen des Balles auf die Erde. Die derzeit letzte Änderung ist die Rückpassregel: Wird dem Torwart der Ball vom eigenen Mann zugespielt, darf er den Ball nur in die Hand nehmen, wenn das Zuspiel per Kopf, Brust oder Knie erfolgte.

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