Wer hat Neuraltherapie erfunden

Neuraltherapie

Die Neuraltherapie wird sehr oft zur Schmerzlinderung eingesetzt. Ist das ihr einzigstes Anwendungsgebiet? Neuraltherapie – mehr als ein Weg aus den Schmerzen. Der Begriff Neuraltherapie tritt sehr häufig in Verbindung mit den Medikamenten Procain und Lidocain auf. Sehr häufig wird die Neuraltherapie auch angewandt bei Schmerzbehandlungen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Neuralgien oder rheumatischen Erkrankungen.

Neuraltherapie: Begriffsdefinition und Geschichte

Hinter dem Begriff Neuraltherapie steckt sinngemäß die Behandlung von Krankheiten bzw. von Krankheitssymptomen über die Nerven. Dies geschieht durch die Anwendung eines Lokalanästhetikums wie zum Beispiel Procain oder Lidocain.

Der Schritt von der lokalen Anästhesie zu Neuraltherapie lässt sich zurückführen auf Ferdinand Huneke (1891-1966). Er hatte damals per Zufall bei der Behandlung seiner Schwester die Entdeckung gemacht, dass die Injektion vom Procain in die Vene gegen Kopfschmerzen wirkt. In einem weiteren Experiment an einer anderen Patientin konnte er zum Beispiel bei der Behandlung einer Unterschenkelknochenhautnarbe mit Procain feststellen, dass mit dieser Behandlung gleichzeitig auch Beschwerden in der linken Schulter der Patientin sich auflösten. Daraus entstanden die Störfeldtheorie und die Segmenttheorie.

Behandlungsgrundsätze der Neuraltherapie

Die Behandlungsgrundsätze der Neuraltherapie lassen sich grob in drei Bereiche aufteilen:

  1. TLA – Lokalanästhesie
  2. Störfeldtheorie
  3. Segmenttheorie

1. TLA Lokalanästhesie

TLA steht für therapeutische Lokalanästhesie. Sie macht sich die lokale Wirkung des Lokalanästhetikums Procain oder Lidocain zunutze. Beide Wirkstoffe blockieren in der Zelle bzw. an der Zellmembran die Natriumkanäle und Kaliumkanäle. Das hat in den Nervenzellen die Folge, dass die Reizweiterleitung unterbrochen wird. Damit wird in diesem Bereich das Nervensystem kurzfristig ausgeschaltet. Die Lokalanästhetika wirken ebenfalls:

  • schmerzhemmend,
  • entzündungshemmend,
  • durchblutungsfördernd,
  • Sympathikus lösend,
  • Energie zuführend.

Ziel der Lokalanästhesie ist es den Patienten durch Schmerzlinderung ruhig zu stellen und die erkrankte Stelle zu entkrampfen und besser zu durchbluten, sowie die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

2. Störfeldtheorie

Die Störfeldtheorie ist neben der Segmenttherapie die Weiterentwicklung von der Lokalanästhesie zu Neuraltherapie. Die Störfeldtheorie geht davon aus, dass krankhafte Prozesse, Verletzungen, Narben an einer körperlichen Stelle auch Auswirkungen auf Organe an anderen körperlichen Stellen haben. Entdeckt wurde dies, wie bereits oben erwähnt, während einer von Huneke durchgeführten Behandlung einer Patientin an einer Unterschenkelknochenhautnarbe mit Procain. Diese Behandlung führte zur sofortigen Besserung von Beschwerden der Patientin in der linken Schulter (Sekundenphänomen). Kurzfristig kann der menschliche Körper Störfelder kompensieren, langfristig führen diese Störfälle aber zu chronischen Beschwerden und Erkrankungen. Diagnostisch wird die Störfeldtheorie eingesetzt, um durch die Behandlung von vermuteten Störfeldern mit Procain Ursachen für Organerkrankung auf die Spur zu kommen.

3. Segmenttheorie

Die Segmenttheorie geht davon aus, dass eine nervliche Verbindung zwischen inneren Organen und Hautzonen besteht (HeadZonen). Die Entstehung dieser Verbindungen wird während der Embryonalentwicklung vermutet. Wichtig ist dabei, dass empfindliche Hautzonen ein Hinweis auf Organerkrankungen geben können. Zur Diagnosesicherung werden Hautzonen mit Procain behandelt, um durch die nervliche Verbindung zu den inneren Organen Beschwerden in diesem Bereich zu lindern und den Krankheitsursachen auf die Spur zu kommen. Viele Head-Zonen liegen dabei im Bereich von Brust, Bauch und Rücken in der Nähe der betreffenden inneren Organe.

Behandlungsbereiche der Neuraltherapie

Zunächst einmal ist die Neuraltherapie nicht nur ein Behandlungs- sondern auch Diagnoseansatz. Die Störfeldtheorie und die Segmenttherapie werden ebenfalls dazu genutzt, den Ursachen von Beschwerden auf den Grund zu gehen.

Anwendung findet die Neuraltherapie bei folgenden Erkrankungen:

  • Schmerzbehandlung: Kopfschmerzen, Beschwerden Bewegungsapparat, Neuralgien, rheumatische Erkrankungen
  • chronische Entzündungen
  • organische Störungen

Behandlungsmethoden der Neuraltherapie

Die Behandlung erfolgt mittels Injektionen mit Lokalanästhetika. Nach Behandlungsbereichen werden folgende Injektionsorte ausgewählt:

  • intrakutan: Behandlung bei Schmerzen im Bewegungsapparat oder bei Kopfschmerzen
  • intramuskulär: Behandlung bei Knoten, Verspannungen, Verhärtungen in der Muskulatur
  • intraarteriell: Behandlung von arteriellen Durchblutungsstörungen
  • in Narben: Narbenentstörung auf Grundlage der Störfeldtherapie
  • in Nervenknoten: nervliche Entstörung größerer Körperzonen
  • in die Schilddrüse: Behandlung bei Kropf, Schilddrüsenunter-und Schilddrüsenüberfunktion
  • in Gelenke: Behandlung von Entzündungen und Schmerzen im Bereich der Gelenkskapsel, Bänder, Schleimbeutel

Risiken, Nebenwirkungen bei Neuraltherapie

Eine Neuraltherapie mit Procain oder Lidocain darf nicht angewendet werden, wenn die folgenden Probleme vorliegen:

  • Allergien
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Radiojodbehandlung (Schilddrüse)
  • schwere Infektionserkrankungen zum Beispiel Tuberkulose
  • Autoimmunerkrankungen zum Beispiel Multiple Sklerose

Manche Menschen reagieren entweder sensibel oder allergisch auf Procain oder Lidocain bzw. auf Injektionen. Ein erfahrener Therapeut wird deshalb die Wirkungen zunächst mit einer sehr geringen Dosis testen. Dabei spritzt der Therapeut zum Beispiel am Unterarm mit der Injektionsnadel intrakutan zwei geringe Mengen von Procain oder Lidocain. Allergische Reaktion zeigen sich meisten schon kurz nach der Injektion bzw. in einem Zeitraum bis zu einer halben bis ganzen Stunde. Zeigen sich solche Reaktion, werden weitere Behandlungen abgebrochen. In Ausnahmefällen kann es zu Kollapsreaktion kommen, dies kann aber wiederum durch Testinjektionen weitgehend ausgeschlossen werden.

Bei Überdosierung kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • Erbrechen
  • Benommenheit
  • Krämpfe
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzrasen

Das Risiko von allergischen Reaktionen bzw. von Überdosierung kann bei Behandlung durch einen erfahrenen Neuraltherapeuten weitgehend vermieden werden.

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