Wer erfand der Kommunikation – Geschichte der Kommunikation

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Solange es Menschen gibt, kommunizieren diese miteinander – über Gesten, Sprache, Bilder und später die Schrift. Abstraktion spielt dabei eine große Rolle. Kommunikation ist so alt wie das Leben. Schon der Austausch von Erbgut zwischen Bakterien stellt eine Form der Kommunikation dar. Nichtverbale Kommunikation ist im Tierreich weit verbreitet – vom Einsatz von Geruchsstoffen bis hin zu Lautäußerungen mit bestimmten Bedeutungen. Doch all diese Kommunikationsformen sind flüchtig, nur für den Augenblick.

Mensch und Sprache

Erst der Mensch ist in der Lage, nicht nur konkrete Sachverhalte, sondern auch abstrakte Ideen über Lautäußerungen zu kommunizieren. Wahrscheinlich schon vor 2,6 Millionen Jahren war Homo rudolfensis fähig, zu sprechen. So konnten gemeinsame Aktionen, zum Beispiel bei der Jagd, koordiniert und individuelle Erinnerungen weitergegeben und somit im kollektiven Gedächtnis bewahrt werden. Auch der Neandertaler konnte sprechen. Abdrücke der Sprachzentren des Gehirns in den Schädelknochen einiger Individuen und der Fund eines Zungenbeines in einer Höhle in Israel belegen dies. Über größere Entfernungen mussten Nachrichten aber per Boten kommuniziert werden.

Kommunikation durch Kunst

Mit dem anatomisch modernen Menschen entstand eine neue Art der Kommunikation: die Kunst. Durch die bildliche Darstellung von Gesehenem und Erlebtem ließen sich Ereignisse erstmals auch auf nichtverbale Weise weitergeben und für die Nachwelt erhalten. So enthält jedes Kunstwerk, das Menschen geschaffen haben, auch eine Nachricht – Kunst dient der Kommunikation.

Die ältesten Kunstwerke Europas sind zwischen 40.000 und 30.000 Jahre alt. Es handelt sich um kleine, in Mammutelfenbein geschnitzte Figuren. Dargestellt sind sowohl Frauen als auch Beutetiere und Mensch-Tier-Mischwesen. Sie beschwören die weibliche Fruchtbarkeit, das Jagdglück und stimmen die Geister gnädig. Zu den ältesten Trägern menschlicher Kunst gehören auch die Wände von Höhlen, so die Höhle von Chauvet, deren Bilder vor 34.000 Jahren entstanden. In Gönnersdorf bei Neuwied haben Menschen vor 14.000 Jahren Bilder in die Schieferplatten ihres Zeltfußbodens geritzt. Neben den Darstellungen der Tierwelt sind auch immer wieder stark abstrahierte Frauenkörper dargestellt.

Kleinste Details an Statuen und Reliefs oder auf Bildern geben dem Betrachter mehr oder weniger versteckte Hinweise: Ein einfacher Stab in der Hand des römischen Soldaten Marcus Caelius, wie zufällig auf den Buchstaben „O“ in der Inschrift seines Grabsteines gerichtet, ist ein regelrechter Wink mit dem Zaunpfahl: Die Vitis, der Stock, geschnitzt aus dem Holz des Weines, war Zeichen der Befehlsgewalt des Offiziers. Und dass Marcus es als solcher weit gebracht hatte, zeigt eben jenes „O“: es ist die Abkürzung für „Ordinus“, was man mit „Stabshauptmann“ übersetzen könnte.

Die Entstehung der Schrift durch Abstraktion

Da die Fähigkeit zur Abstraktion eine der grundlegenden Eigenschaften des Menschen ist, gehört zur Kunst auch von Anfang an die Abstraktion. Vor mehr als 5.100 Jahren entstanden durch Abstraktion von Bildzeichen die ersten Schriften: die Keilschrift der Sumerer im heutigen Irak und die Hieroglyphen in Ägypten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Keilschrift, ebenso wie die ägyptischen Hieroglyphen, von einer Bilderschrift zu einer Silbenschrift, bei der nicht mehr der Bildinhalt, sondern nunmehr der Lautwert des jeweiligen Zeichens ausschlaggebend wurde für seine Verwendung. Eine ähnliche Entwicklung begann vor gut 3.000 Jahren in China.

Vor 3.100 Jahren entstand die phönizische Schrift als erste reine Lautschrift (Konsonantenschrift) durch Abstraktion aus der proto-semitischen Bilderschrift, die ihrerseits in den ägyptischen Hieroglyphen wurzelt. Aus dem phönizischen Alphabet gingen unmittel- und mittelbar das hebräische, das arabische, das griechische, das kyrillische und das lateinische Alphabet hervor. Mit diesen Silben- bzw. Lautschriften war es nun auch möglich, abstrakte Gedankengänge dauerhaft festzuhalten.

Die ersten „Datenträger“

Die sumerische Keilschrift wurde mit einem stumpfen Griffel in weiche Tontäfelchen gedrückt. Dauerhaft überlieferbar wurden diese Täfelchen durch Brennen im Ofen. Auch die ältesten Hieroglyphen sind auf Tontäfelchen überliefert. Hauptsächlich wurden Hieroglyphen jedoch in Stein gemeißelt. Für das Schreiben auf Papyrus (aus dem faserigen Mark des Papyrusgrases) oder Leder entwickelten die Ägypter eine Kursivschrift.

Auch die griechischen und die lateinischen Großbuchstaben sind mit ihren vielen geraden Linien vor allem für das Meißeln in Stein geeignet. Da der Platz auf einem Steinmonument oft begrenzt ist, wurden die Römer zu Meistern im Abkürzen. Das so wichtige „O“ auf dem Grabstein des Marcus Caelius ist nur ein Beispiel. So steht zum Beispiel „IOM“ immer für IUPPITER OPTIMUS MAXIMUS, den „besten und größten Juppiter“, den höchsten Staatsgott des römischen Reiches also, und ein „VSLM“ auf einem Weihestein attestierte dem Stifter des Steines, dass er VOTUM SOLVIT LIBENS MERITO, sein vorher abgelegtes Gelübde zur Stiftung des Steines also gern und angemessen eingelöst hat. Und so ist ein Text, der so kurz ist, dass es auf einen Stein, einen Lapis, passt, einfach lapidar. Nicht erst die SMS also zwingt den Schreiber dazu, sich kurz zu fassen.

Kommunikation über die Distanz

Weder gesprochene Sprache noch Schrift eignen sich besonders gut für die direkte Kommunikation über große Entfernungen. Die Lautstärke der menschlichen Stimme ist begrenzt und Buchstaben kann man sinnvoll auch nur in einer endlichen Größe schreiben. Der schon erwähnte Bote ist da eher ein Notbehelf. Vor der Erfindung der Schrift war der Absender einer Nachricht auf das Gedächtnis des Boten angewiesen. Die Schrift ermöglichte es nun auch, Botschaften ohne die Gefahr der Verstümmelung durch Übertragungsfehler zu übermitteln. Die Römer z.B. benutzten als Notizbuch ein mit Wachs beschichtetes Holzbrettchen, in das sie mit einem metallenen Griffel ihre Buchstaben ritzten. Zwei davon, als Dyptichon zusammengeschnürt und versiegelt, konnten sogar vertrauliche Botschaften aufnehmen.

Bei der direkten Nachrichtenübermittlung über große Distanzen hilft wieder die menschliche Fähigkeit der Abstraktion. Einfache akustische Signale, zum Beispiel das Schlagen einer Trommel, können, fest kodiert, Nachrichten über große Entfernungen tragen. Über diese Technik haben bereits die Menschen der Steinzeit verfügt. Der Weg zur Musik und somit zur Kunst ist da nicht weit.

Auch optische Signale eignen sich, um über größere Entfernungen zu kommunizieren. Rauchsignale, das Blinken eines Spiegels im festgelegten Rhythmus oder eine auf einem Turm geschwenkte Fahne – als Semaphor weiter entwickelt – können Nachrichten über größere Distanzen übermitteln. Doch erst die Entdeckung der elektomagnetischen Wellen machte Kommunikation quasi grenzenlos.

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